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GeschwisterkinderSeminar in Oberhof: Ich bin nicht allein.

Vom 30. September bis 07. Oktober fand im Ferienzentrum Oberhof in Thüringen die erste AWO SANO GeschwisterkinderWoche statt. Zehn Geschwister und ihre Familien beteiligten sich an diesem Auftaktseminar, das die AWO SANO in enger Kooperation mit der Diplom-Sozialwissenschaftlerin Marlies Winkelheide und Sonja Kirst durchgeführt hat.

Das Angebot richtet sich an Familien von Kindern mit Behinderungen, Beeinträchtigungen und lebensverkürzenden Krankheiten und deren Geschwister. Die besondere Situation dieser Familien wirft Fragen auf, auf die Kinder und Jugendlichen nicht immer eine eindeutige Antwort finden.

„Die Tatsache, eine Schwester oder einen Bruder mit Behinderung zu haben, oder auch mehrere, ist keine Indikation für eine Therapie. Es ist eine Lebenssituation, für die es Aufmerksamkeit braucht.“, sagt Marlies Winkelheide, die nun bereits seit 36 Jahren Geschwisterkinderseminare durchführt.

Aufmerksamkeit für die Fragestellungen, Wünsche und Hoffnungen der Geschwisterkinder im Alter von 5 bis 13 Jahren war das ganz besondere Anliegen des 3-tägigen Seminars in Oberhof. In der vertrauensvollen Atmosphäre konnten die Jungen und Mädchen Fragestellungen zulassen und neue Denkansätze gewinnen. Warum ist mein Bruder, meine Schwester behindert? Was bedeutet Gerechtigkeit im Leben mit einem behinderten Geschwisterkind? Wie kann ich meinen eigenen Weg finden, ohne ein schlechtes Gewissen zu haben? Darf ich mir diese Fragen überhaupt stellen? All das und viel mehr beschäftigt die Geschwister.

Mit ihrer sehr einfühlsamen Art und ihrer deutlichen Sprache schafft es Marlies Winkelheide, eine Atmosphäre zu schaffen, in der sich Geschwister und Eltern gleichermaßen wohlfühlen und das Vertrauen gewannen, sich öffnen zu können. Das Gefühl, sehr private Gedanken mit einer Gruppe zu teilen, die häufig ähnlich denkt und fühlt, bestärkt vor allem Kinder und Jugendliche. Für sie war dies eine ganz neue Erfahrung.

Max, 13 Jahre, sagte nach dem Seminar erleichtert: „Jetzt weiß ich, dass ich nicht alleine bin.“ Katharina, 13 Jahre, zeigte sich sehr berührt und beeindruckt, „dass die ganze Gruppe mir zugehört hat.“

Die Kinder konnten auf sehr eindrückliche Weise beschreiben, was das Leben für sie eigentlich ausmacht. Seminarleitung und Organisatoren sprachen den Geschwisterkindern Anerkennung für ihren wunderbaren und liebevollen Umgang mit ihren Geschwistern aus, ohne dass sie verschweigen mussten, dass es manchmal nervig und auch schwer ist.

Aber auch die Eltern bekamen Raum, ihre Fragen, Sorgen und Zweifel zu artikulieren. Bekommen meine gesunden Kinder die Aufmerksamkeit, die sie benötigen? Wie schaffe ich es, allen Bedürfnissen gerecht zu werden und dabei Zeit zum Krafttanken für mich selbst zu behalten?

Die Eltern sahen dabei sehr schnell, dass andere Familien die gleichen Fragen beschäftigen. Es ist nicht immer leicht, eine Lösung zu finden „und manchmal bedeutet das Leben mit behinderten Kindern, bestimmte Fragestellungen auch einfach nur aushalten zu können.“, sagt Marlies Winkelheide, deren Ziel es ist, allen Beteiligten Kraft und Mut für den Alltag zu geben.

Eltern und Geschwisterkinder waren sich nach dem Seminar darüber einig: „Es hat uns viel gegeben, wir bleiben im Kontakt und wünschen uns eine Fortsetzung!“.

Weitere Termine für Oberhof (Thüringen), Dambeck (Mecklenburg Vorpommern) sowie Burhave (Niedersachsen) sind für 2019 in Planung. 

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